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ein Selbstlernkurs des ZBIW Köln

Lektion 09: Tagging?!!

7 Kommentare

Was ist Tagging?

Letzte Woche fiel das Stichwort bereits. Tagging ist eine offene und informelle Methode mit der Nutzern Webinhalte (Webseiten, Bilder, Weblogeinträge) durch Schlagwörter miteinander verknüpfen zu können. Während die bibliothekarische Verschlagwortung strengen Regeln unterworfen ist (z.B. RSWK, Library of Congress Subject Headings), erfolgt Tagging vollkommen unstrukturiert und formfrei. Dadurch können Nutzer beliebige Beziehungen zwischen unterschiedlichen Daten und Objekten herstellen.

Die oben genannten Regeln gefallen natürlich BibliothekarInnen, normale Nutzer interessieren sich nicht so sehr für Systematiken und nutzen in Katalogen meist die Stichworte zur Suche. In den letzten Kapiteln haben wir bereits einige Seiten kennengelernt, die das Tagging erlauben – Flickr und LibraryThing sind nur zwei davon. In einigen Kapiteln wurde ein gemeinsames Tag (netzerfahren) benutzt, um Fotos zusammenzuführen, die getrennt voneinander hochgeladen wurden. Zusätzlich zum Tagging in Blogs wollen wir uns diese Woche Social Bookmarking-Anbieter anschauen.

Trotz Übernahmen und damit einhergehenden Problemen sowie Nutzerschwund ist der „größte“ Dienst im Netz noch Delicious. Alternative Angebote sind z.B. Diigo oder Pinboard. Besonders erwähnenswert für die deutsche Wissenschaftsszene ist jedoch der von dem Fachgebiet Wissensverarbeitung der Universität Kassel entwickelte Social-Bookmarking Dienst Bibsonomy und auch edutags des Deutschen Bildungsservers.

Alle Dienste haben gemein, dass es sich bei Ihnen um Social-Bookmarking-Manager zum Speichern von Lesezeichen und zur Kategorisierung der Lesezeichen mit Hilfe von Tags handelt. Viele Nutzer sehen die eigentliche Stärke von diesen Diensten jedoch in dem sozialen und netzwerkartigen Charakter: einzelne Nutzer können sehen, mit welchen Tags andere Nutzer ähnliche Links versehen haben und dadurch neue, interessante Webseiten entdecken. Stellen Sie sich das so vor, als wenn Sie in den Aktenschrank eines anderen Nutzers schauen – mit dem Unterschied, dass mit Hilfe des Lesezeichen-Managers die einzelnen Aktenschränke zusammen ein umfangreiches Wissensnetzwerk bilden.

Die Erfahrungen zeigen, dass viele KollegInnen die Idee, ihre teilweise „heiligen“ und mühsam gesammelten Bookmarks auf einem öffentlichen Server abzulegen, ziemlich – nennen wir es beim Namen – merkwürdig vorkommt. Aber keine Angst: Sie können auch bei Delicious dafür sorgen, dass die Bookmarks kein anderer zu sehen bekommt, allerdings würde das den Wert stark einschränken, wie Sie hoffentlich merken werden. In der heutigen Entdeckungsaufgabe schauen Sie sich die Dienste an und lernen mehr über soziale Lesezeichen-Manager.

Entdeckungsaufgaben:

Schauen Sie sich Social Bookmarking in Plain English an. Dieses Video bezieht sich zwar auf eine alte Version von Delicious, das Prinzip des Social Bookmarkings hat sich jedoch nicht verändert und wird in dem Video schön erklärt. Das Original ist zwar in englischer Sprache, aber sehr leicht zu verstehen. Eine Version mit deutschen Untertiteln gibt es auch, zum Beispiel auf der Delicious-Seite der Bibliothek der FH Hannover.

  1. Schauen Sie sich bei Delicious um – zu den eigentlichen Inhalten kommen Sie, wenn Sie auf der Startseite nach unten scrollen und „Browse Delicious“ klicken. Nutzen Sie die Suchbox. Sich können nach Begriffen („netzerfahren“), Tags („#netzerfahren“)  und Nutzern (z.B. @edlef oder @sumomi ;)) suchen. Diese Elemente lassen sich natürlich verknüpfen (Und-Verknüpfung).
    Besuchen Sie die Seite „libraries that del.icio.us“ und schauen Sie sich an, was Bibliotheken mit ihrem Delicious-Account für Sammlungen anbieten.
  2. Werfen Sie einen Blick auf Diigo. Diigo bietet etwas andere Funktionalität als Delicious. U.a. gibt es Gruppen, die in einem gemeinsamen Pool Links zum Gruppenthema sammeln. Vergleich der Darstellung derselben Bookmarks bei Diigo und delicious: Diigo / delicious
  3. Statten Sie auch Bibsonomy einen Besuch ab und schauen Sie, was die dortige Gruppe Bibliothek2.0 in ihrer Linksammlung gespeichert hat, welche Tags sie verwenden.
  4. Schauen Sie sich an, wie einige KollegInnen ihre Bookmarks erschließen, z.B. Anne Christensen (StaBi Hamburg), Juergen Plieninger delicious/diigo  (Bibliothek des Institut für Politikwissenschaft, Tübingen), Lambert Heller delicious /bibsonomy (TIB/UB Hannover).
  5. Erkunden Sie die Optionen des Dienstes, welcher Ihnen am besten gefällt und finden Sie mehr über ein Lesezeichen, das von vielen anderen Nutzern gespeichert wurde, heraus. Schauen Sie sich die Kommentare zu dem Lesezeichen, sofern vorhanden, sowie die vergebenen Tags an. Bietet der Dienst RSS-Feeds an?
  6. Schreiben Sie einen Weblogeintrag über Ihre Erfahrungen und Gedanken zu diesem Tool. Können Sie sich ein Social-Bookmarking-Dienst als Unterstützung für Ihre Forschung oder als Angebot für Ihre Bibliothekskunden vorstellen? Oder einfach nur als Möglichkeit, Lesezeichen problemlos zu speichern und von überall abzurufen?

Optional, aber empfehlenswert:

Richten Sie sich einen eigenen Social-Bookmark-Account ein und erkunden Sie, wie dieser Social Bookmarks-Manager die traditionelle Lesezeichen-Liste ersetzen könnte.

Entdeckungshilfen:

Sie müssen nicht alle Entdeckungshilfen ansehen! Schauen Sie sich jene Hilfen oder weiterführenden Materialien an, die für Sie interessant klingen!

Die Kontroverse zum Schluss

Sie können es sich denken 😉 auch im Bereich der sozialen Bookmarking-Dienste hat sich in den letzten Jahren, besonders durch das Aufblühen von Sozialen Netzwerken und dem Microblogging eine Menge getan. Es gibt auch in diesem Bereich Unsicherheiten bezüglich der Beständigkeit von Diensten. Dies hatte Abwanderung zu anderen Angeboten oder die komplette Abwendung vom Social Bookmarking zur Folge, wie Sie vielleicht in Aufgabe 1 festgestellt haben.

Dann wäre da die „ketzerische“ Frage: „Für was brauche ich einen Bookmarking-Dienst, wenn ich doch eine gute Suche und mein soziales Netzwerk habe?“.

Auf der anderen Seite fühlen Sie sich vielleicht durch die vorgestellten Angebote – besonders Bibsonomy – an Literaturverwaltungsprogramme erinnert. Der Bedarf nach einer funktionierenden Verwaltung der Informationen, der Quellen, der Links nicht nur im wissenschaftlichen Bereich ist ein Thema.

7 Kommentare zu “Lektion 09: Tagging?!!

  1. Pingback: Schleudertrauma | hundumblog

  2. Hallo liebe Community, konnte sich jemand erfolgreich bei Edutags anmelden? Bei mir kam wiederholt die Bestätigungs-Mail nicht an, der Spam-Ordner ist auch leer, korrekte Schreibweise garantiert…

    • Ich habe mich eben auch noch mal versucht zu registrieren – und bekomme ebenfalls keine Bestätigungsmail. :/

      Aaaber… ganz verwegen können Sie die OpenID nutzen, die bei Ihrem WordPress-Blog mitgeliefert wird. Sie melden sich quasi mit Ihrem WordPress-Account bei Edutags an und brauchen sich damit ein Passwort weniger merken. WordPress bestätigt Edutags, dass Sie die richtige Person sind.

      Ihre (WordPress) OpenID ist die komplette Blogadresse, kann auch unter Einstellungen » OpenID nachgeschlagen bzw. daraus kopiert werden ;).

      Bei EduTags dann unter den Anmelden-Eingabefeldernn auf „Mit OpenID anmelden“ klicken:
      .

      In das OpenID-Textfeld anschließend Ihre OpenID hineinkopieren oder eintragen.

      Anschließend werden Sie auf WordPress zurückgeleitet. WordPress fragt Sie, ob Sie der anfragenden Seite (Edutags) die gefragten Informationen übermitteln wollen. Im Falle von Edutags sind das Spitzname und E-Mail-Adresse. Die Daten können geändert werden, bevor Sie an Edutags weitergeleitet werden.
      . Und dann die Frage, ob die Identitä von WordPress an Edutags weitergereicht werden soll. Wenn man die OpenID immer verwenden möchte, dann muss man die Frage mit „Yes; always“ beantworten. Beim nächsten einloggen passiert diese Abfrage von Edutags an WordPress dann im Hintergrund.

      Noch mehr Information

      Ein passendes Video zum Thema OpenID: Videoaufnahme des Seminarvortrags von R.Ott zu OpenID

      • Vielen Dank für den Tipp! Ich werde ihn sicher noch für das eine oder andere Tool brauchen. Gestern (4 Tage nach der Anmeldung) kam übrigens doch noch die Kennwort-Mail von Edutags…

  3. Ähmmm, ich habe es gerade ausprobiert… Edutags leitete mich nicht an wordpress zurück sondern auf eine zweite Seite von ihnen, um meine Daten bei edutags zu vervollständigen.
    Dann bekam ich wie immer eine Bestätigungsmail und es hieß, ich könne erst danach OpenID benutzen.

    Dies habe ich ausprobiert und es funktionierte:
    – erst bei edutags normal registrieren
    – Benutzername und Passwort wurde mir sofort zugeschickt
    – Damit konnte ich mich bei edutags anmelden
    – Nach der Abmeldung konnte ich mich auch über OpenID – wordpress anmelden

    Ich hatte es aber so verstanden, dass ich mich überhaupt nicht mehr registrieren muss, wenn die Seite OpenID unterstützt.
    Nun bin ich etwas ratlos…

    LG
    Inka (booklooker37)

    • Ob das die digitale Demenz ist, die Spitzer so polemisch in den Ring schmeißt? Ich könnte schwören, dass ich den zweiten Registrierungsschritt bzw. eine Aktivierung der E-Mail vor zwei Wochen noch nicht durchführen musste. #seltsam
      Ich kann jedoch nicht ausschließen, dass ich bereits einen aktivierten Account hatte, den ich nur mit der OpenID verknüpft habe.

      Die dadurch entstehende Unsicherheit sollte so nicht sein. Da möchte ich Sie herzlich um Verzeihung bitten. Und gleichzeitig gratulieren, dass es trotz dieser Hürden funktioniert hat mit dem Anmelden :)!


      Zu dem was OpenID kann: Im Prinzip ist der Sinn von OpenID ein Passwort/Account zu sparen. Der Account wird zwar auf jeden Fall im Hintergrund angelegt ob man dafür noch etwas tun muss, ist allerdings abhängig von der Implementierung. Meistens werden zusätzliche Informationen wie z.B. ein Nutzername abgefragt. Manchmal wird ein Passwort verlangt (weil das System es fordert). Dann kann sich bei jedem Login aussuchen, ob man sich mit den Nutzerdaten manuell oder mit der OpenID einloggt.

      Ganz schön verwirrend, in der Tat. Aber bitte dadurch nicht abschrecken lassen! 🙂

  4. Pingback: Lektion 9: Tagging und Social Bookmarking | 18 Dinge für Bibliotheken in Bewegung…

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