Netz erfahren

ein Selbstlernkurs des ZBIW Köln

Lektion 11: Mein Büro im Netz (Updated 22.5.13)

8 Kommentare

Online-Anwendung – oder neudeutsch Web-App – ist ein schwammiger Begriff, der Übergang zwischen installierten Desktop-Programmen und im Internet liegenden Anwendungen fließend. Mit dem Einzug von Smartphones und Tablets mit einerseits begrenztem Festplattenspeicher und andererseits quasi ständig verfügbarem Internet in mehr und mehr Hosentaschen erfuhr die Bedeutung dieser Programme einen weiteren Schub.Wo früher das Programm auf dem Rechner installiert werden musste, benötigt man heute nur einen Account bei der passenden Online-Anwendung.

Kleine Vorgeschichte

Die Verfügbarkeit und Nutzung web-basierter online verfügbaren Anwendungen ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert – aus guten Gründen! Diese leistungsfähigen Anwendungen erlauben es dem Nutzer – ohne auf dem jeweiligen PC-Arbeitsplatz installiert sein zu müssen – Dokumente über das Internet allein oder gleichzeitig mit anderen Nutzern zu erstellen und/oder zu teilen. Der Zugriff von „überall“ auf Dokumente, kreative Produkte oder Arbeitsmaterialien ist genauso ein Argument, wie die Möglichkeit effizient mit anderen zusammen zu arbeiten ohne Word-Dokumente austauschen zu müssen. Inzwischen wandern komplette Infrastrukturen ins Netz, Cloud Computing – so der Überbegriff dieses Bereichs – macht’s möglich.

Vorteile

Ein großer Vorteil web-basierter Anwendungen ist, dass sie einen von der Sorge befreien, sich über unterschiedliche Software-Versionen und Dateitypen beim Mailversand oder beim Wechsel des PC Gedanken machen zu müssen. Darüber hinaus vereinfachen sie die Zusammenarbeit, indem sie vielerlei Nutzern erlauben, dieselbe Datei zu bearbeiten (und dabei die Versionen aufzuzeichnen), und es ebenso ermöglichen, bequem Dokumente in unterschiedlichen Dateitypen zu speichern und umzuwandeln (einschließlich HTML und PDF).

Office im Web: Google Docs

Das bekannteste, wenn auch nicht das erste Werkzeug dieser Art ist Google Docs, das inzwischen in Google Drive umbenannt wurde. Mit diesem Anwendungspaket versucht Google, den herkömmlichen Office-Anwendungen wie Microsoft Office und OpenOffice.org Konkurrenz zu machen. Momentan werden kostenlose Dienste zum Erstellen und Bearbeiten von Präsentationen, Tabellen und Texten angeboten. Wie bei fast allen Google-Diensten braucht man auch hier einen Google-Account, um Google Docs nutzen zu können. Wie Sie dort Texte erstellen, können Sie in diesem Einsteiger-Tutorial erfahren.

Alternativen zu Google Docs

  • Jeder Besitzer einer E-Mail-Adresse von Microsoft (z.B. Hotmail oder Live.com) kann kostenlos auf SkyDrive Word-, Excel-, PowerPoint- , OneNote-Dokumente erstellen.
  • Zoho ist ein umfassendes Office-Paket, bietet aber noch allerhand mehr.
  • ThinkFree, Office-Anwendungen mit Schwerpunkt auf Textverarbeitung

Bildbearbeitung

Photoshop im Netz? Nicht ganz, aber zumindest einen kleinen Ausschnitt bekommt man vom Photoshop-Anbieter Adobe auf der Seite Photoshop Express. Wenn man Flash installiert hat, kann man über Photoshop Express auf seine Flickr-Gallerie zugreifen, und die Bilder direkt im Browser editieren. Der Service ist zur Zeit noch nur in englischer Sprache verfügbar. Was man damit machen kann, erfahren Sie in folgendem Video:

Nicht ganz so umfangreich, aber ebenfalls recht beeindruckend sind  PixenateAviary oder Splashup. Splashup besticht besonders durch seine Textfunktionen.

Die Künstlercommunity DeviantART stellt mit Ihrem Zeichenprogramm muro ein leistungsfähige Online-Applikation zur Verfügung.

Eine Liste von 14 web-basierten Bildbearbeitungsprogrammen finden Sie bei Ntt.cc.

Und sonst so?

Mit der Bildbearbeitung ist das Ende der Fahnenstange längst noch nicht erreicht. Sogar Videobearbeitung ist möglich, wie z.B. hier bei Stupeflix oder auch Animoto. Für nicht so hohe Ansprüche mögen diese vielleicht auch genügen, hier ein Beispiel, das ich für einen netten Bekannten mit Animoto erstellt oder besser zusammengeklickt habe.

Von der Verwaltung der eigenen Buchsammlung mal ganz zu schweigen.

Die Kehrseite der Medaille

Online-Anwendungen haben nicht nur Vorteile. Die wichtigsten Argumente dagegen sollten auf keinen Fall verschwiegen werden:

  • Datenschutz. Geheime Daten sollen meist auch geheim bleiben. Man sollte sich daher immer bewusst sein, das man für die Benutzung von Online-Anwendungen immer Netzwerke benötigt, die prinzipiell abgehört werden können. Auch Personendaten und sensible Firmeninterna gehören nicht unbedingt in solch eine Online-Anwendung. Manche Firma sieht das anders.
  • Datensicherheit. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, dass Googles Serverfarmen morgen abbrennen und sich die Backups anschließend als untauglich erweisen. Ob das Risiko größer ist als bei der zuhause hoffentlich vorhandenen Datensicherungsstrategie? Das muss jeder für sich entscheiden.
  • Das Kleingedruckte. Photoshop Express machte anfangs nicht nur durch seine beeindruckenden Möglichkeiten auf sich aufmerksam, sondern auch durch eine Klausel in den AGB, die Adobe weitreichende Rechte an den bearbeiteten Bildern überschrieb. Adobe machte zwar schnell einen Rückzieher. Man sollte jedoch mindestens die FAQ eines Angebots nach Fallstricken durchsuchen.

Drum prüfe, wer was online findet!

Entdeckungsressourcen:

8 Kommentare zu “Lektion 11: Mein Büro im Netz (Updated 22.5.13)

  1. Texte in der Cloud – ein heikles Thema, hat aber auch Vorteile. Vielen Dank, vor allem auch für den Link, wie freigegebene Dokumente gefunden werden können!
    Der Link vom 2. Punkt unter „Entdeckungsressourcen“ ist wahrscheinlich in der Cloud weggeflogen 😉
    Vielleicht können wir mal wieder eine „Vertiefungs-Woche“ einlegen, um Liegengebliebenes auszuprobieren und die Tipps umzusetzen und Fragen zu stellen? Wenn es der Zeitplan zulässt natürlich. Wäre prima!
    Schöne Woche allen!

    • Ups, ja, das habe ich beim finalen Editieren der Lektion doch glatt übersehen.

      Edlef hat da schon was vorbereitet für morgen womit er ins Schwarze treffen könnte *spoil*. Was Fragen angeht, die dürfen übrigens gerne und immer gestellt werden. 😉

  2. Pingback: Lektion 12: Buntes Schreiben in Echtzeit | Netz erfahren

  3. Webbasiert ist nicht gleich fremdgehostet!! Ich finde, dass das deutlicher zum Ausdruck gebracht werden müsste. Man kann ja auch selber eine Webanwendung installieren und nutzen.
    Cooler ist das auf jeden Fall, und man kann auch mehr lernen als. Meine Meinung!

    Man könnte sich eine eigene Cloud einrichten, einen eigenen Sharepoint für die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten installieren etc. Für viele Zwecke reicht ja auch schon ein eigenes WordPress mit ein paar Plugins.

    • Da erwähnen Sie einen sehr wichtigen Punkt, dankeschön!

      In der nächsten Lektion (Etherpad) wird auf das Thema ganz kurz eingegangen. Jedoch nur am Rande, denn im Kontext dieses Kurses wollen wir’s erst einmal langsam angehen lassen. Wie Selbsthosten funktioniert wäre wohl etwas was für eine Fortsetzung à la „Netz Gestalten“ (Ganz penibel betrachtet ist diese Begrifflichkeit ungenau, denn auch jetzt schon kann jeder Teilnehmer beim Erfahren auch Gestalten… 😉 ).

  4. Jetzt hatte ich am Freitag diese Lektion fast abgeschlossen und da stürzt mir doch tatsächlich vor dem Speichern der Computer ab?
    Mhmmm; und diese Lektion war für mich auch noch die bisher „schwierigste“.

    • 😦 Das ist natürlich blöd, aber das gehört leider zum Leben dazu… Wir haben das ab und zu im Büro bei Netzwerkproblemen, dass Änderungen an Dokumenten nicht übernommen werden.
      Sind denn Fragen offen geblieben?

  5. Pingback: Lektion 11: Mein Büro im Netz | 18 Dinge für Bibliotheken in Bewegung…

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